Mein KI-Workflow als Solo-Entwickler

Engineering

KI-Tools werden oft so verkauft, als würden sie das Programmieren ersetzen. In meinem Alltag passiert das Gegenteil. Sie ersetzen nicht das Denken. Sie verschieben, worüber ich nachdenke.

Hier ist, wie ich als Ein-Personen-Betrieb tatsächlich mit ihnen arbeite.

Wo KI bei mir ansetzt

Den größten Teil meiner Zeit verbringe ich nicht mit dem Schreiben neuer Zeilen. Ich verbringe sie mit Lesen: bestehender Code, fremde Bibliotheken, alte Entscheidungen. Genau dort hilft KI am meisten.

Ich nutze Claude Code, um mir eine unbekannte Codebasis zu erschließen. Statt eine halbe Stunde durch Dateien zu springen, frage ich nach dem Einstiegspunkt und den wichtigen Mustern. Die Antwort ist ein Startpunkt, keine Wahrheit. Aber ein guter Startpunkt spart die halbe Stunde.

Was ich nicht delegiere

Architektur-Entscheidungen treffe ich selbst. Welche Daten wohin gehören, wo eine Grenze zwischen Modulen verläuft, was bewusst einfach bleiben soll: Das sind die Entscheidungen, die ein Projekt in zwei Jahren noch prägen.

KI ist gut darin, eine plausible Lösung zu liefern. Sie ist nicht dafür verantwortlich, diese Lösung in zwei Jahren noch zu warten. Ich schon.

Der eigentliche Gewinn

Der Zeitgewinn ist real, aber er ist nicht der Punkt. Der Punkt ist die Reibung, die wegfällt.

Früher habe ich kleine, lästige Aufgaben aufgeschoben: ein Test, der fehlt, eine Funktion, die umbenannt gehört, ein Kommentar, der nicht mehr stimmt. Mit einem schnellen KI-Assistenten kostet so eine Aufgabe Minuten statt Überwindung. Die Codebasis bleibt sauberer, weil die Hürde kleiner ist.

KI macht mich nicht zu einem besseren Entwickler. Sie nimmt mir die Ausreden.